5-Stunden-Flug Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   

... und wolkenloser Himmel. "Mittagstemperatur 25°C" lautet die Radiomeldung, als es mich morgens um 8.05 Uhr aus dem Bett wirft.

Strahlender Sonnenschein draußen vor der Tür läßt mein Segelfliegerherz höher schlagen, da das die idealen Bedingungen für einen Tag auf dem Flugplatz sind.

Eine genaue Wetterinformation hole Ich mir über Telefon vom Wetteramt des Flughafens Düsseldorf.

"Luftdruck 1023 hPa, Bewölkung max. 1/8 (kaum Wolken), Windrichtung und Starke, Blauthermik..." sagt der Wetterfrosch vom Band.

Bei Blauthermik müssen Aufwinde gesucht werden, die nicht durch Wolken markiert werden.

Am Flugplatz angekommen, werden die Flugzeuge aus den Hallen geholt und an den Startplatz geschoben. Bevor mit dem Flugzeug geflogen werden darf, muss es gründlich geprüft (im Fliegerlatein: "gecheckt") werden. Ist kein Fremdkörper im Cockpit, sind alle Bolzen gesichert, lassen sich alle Ruder frei bewegen, ist der Funk klar und deutlich zu verstehen und funktionieren alle Instrumente? - Also alles in allem ein Check, wie ihn auch jeder große Flieger macht, und der zur Sicherheit aller dient.

Jetzt muss gewartet werden, bis die Sonne die Erde soweit erwärmt hat, dass Luftmassen aufsteigen können. Im Fliegerlatein "die Thermik setzt ein". Um 11:30 Uhr, nachdem einige Segelflugzeuge schon einen "Bart" (so nennen Segelflieger die aufsteigende Luft) gefunden haben, schiebe ich die LS 1 an den Start. Die LS 1 ist ein eleganter Kunststoffsegler, der durch seine Flugeigenschaften zur Leistungsklasse zu zählen ist.

Fallschirm anziehen, einsteigen - der Flug beginnt schon am Boden, wobei auch wieder einige Checks durchgeführt werden müssen.

  • Fallschirm angelegt
  • angeschnallt
  • Haube verriegelt
  • Klappen eingefahren und verriegelt
  • alle Ruder freigängig
  • Höhenmesser auf Null


Alles klar, das Winden-Schleppseil kann eingeklinkt werden.

"Zack" das Seil ist straff, und auf wenigen Metern werde ich mit dem Flugzeug auf 100km/h beschleunigt. Mit dem Steigwinkel eines Linienflugzeugs steige ich bis auf 380m Höhe (über den Flugplatz), dann fällt das Seil aus der Schleppkupplung heraus.

Fahrt auf 90km/h, Fahrwerk einfahren, elektrisches Variometer einschalten, das sind Handbewegungen, die zur Routine geworden sind.

Das elektrische Variometer zeigt mir akustisch an, ob ich in aufsteigender Luft (unterbrochener Ton) oder in absteigender Luft (Dauerton) fliege. Die Tonhöhe ist dabei ein Maß für die Steiggeschwindigkeit.

 "Piep,...,Piep,...,Piep" das Vario zeigt mir Steigen an, mit Quer- und Seitenruder kreise ich sauber ein. Ich kreise in einem Bart, bei dem das Steigen zwischen 1 und 2 Meter pro Sekunde beträgt. Im Durchschnitt gewinne ich pro Minute also ca. 100m Höhe.

In 900m Höhe hört die Thermik auf, anscheinend hat sich jetzt die aufsteigende Luft soweit abgekühlt, dass sie nicht mehr weiter steigt. Jetzt gilt es, anhand der Bodenstruktur, der Erfahrung und des Varios neue Aufwinde zu finden. Den nächsten Bart finde ich über Radevormwald. Der Aufwindschlauch ist im Durchmesser sehr klein, so dass ich nur durch steiles Kreisen in der Thermik bleiben kann. Die schwierige "Kurbelei" endet in 1.100m Höhe. - Schon etwas mehr!
'Wie lange bin ich jetzt eigentlich in der Luft? Über Funk rufe ich den Startleiter "Wipperfürth Segelflugstart von 45" - "Wipperfürth Segelflugstart hört" - "Was war meine Startzeit?" - "45 - Startzeit 11:30". Der Blick auf meine Armbanduhr zeigt mir, dass ich seit 2,5 Stunden in der Luft bin. Die Sonne brennt in der Kabine und die Lüftung bringt auch kaum Kühlung.

Unter mir liegt jetzt die Stadt Lüdenscheid, der Höhenmesser zeigt 450m an. Ich muss Thermik finden, um Höhe zu gewinnen, sonst komme ich nicht mehr zum Heimatflugplatz Wipperfürth zurück. Nach 20 minütigem Thermiksuchen und mühsamem Kreisen bin ich über Halver nur noch 250m hoch. Keine Chance, nach Wipperfürth zu kommen. Wo ist das Segelfluggelände Halver? Südlich der Stadt finde ich dann den grünen Streifen des Geländes und beginne meinen Anflug. Doch auf einmal bockt mein Flugzeug, als ob wir über Kopfsteinpflaster rollen würden. 'Na', war mein Gedanke, 'wo ein Blubbern ist, da könnte noch mehr sein.' und fing an, einen flachen Kreis zu fliegen. Das Variometer zeigte mir 0m/s Steigen an, einen sogenannten Nullschieber. Nach 3 - 4 Minuten wurde es ein halber Meter pro Sekunde. Langsam gewann ich Höhe, ließ aber das Segelfluggelände nicht aus den Augen, falls der Bart plötzlich zu Ende ist und ich doch noch landen muss.

Erst nach einer guten Stunde hatte ich wieder eine Höhe von 900 "erkämpft". Gerade in geringen Höhen ist es besonders wichtig, dass der Pilot sein Flugzeug genau kennt und beherrscht. Außerdem braucht er eine gute Konzentrationsfähigkeit. Nach dieser Stunde des mühsamen Kreisens hatte ich körperlich nicht viel geleistet, aber mein Hemd war trotzdem triefend nass.

"45 von Wipperfürth Segelflugstart" schnarrte das Funkgerät. "45 hört?" "Versuch so lange wie möglich oben zu bleiben und mach Deinen 5-Stunden-Flug"

"45 verstanden".

Der 5-Stunden-Flug ist eine der Bedingungen für das Silber-C-Abzeichen im Segelflug.

'Na ja, 3 3/4 Stunden bin ich ja schon in der Luft, aber der Kampf mit der Thermik ist heute nicht ohne, dachte ich und schaute auf meinen Höhenmesser. 'Mensch, schon wieder auf 400 Meter abgesunken und keinen Aufwind gefunden." Jedes Mal, wenn der Höhenmesser unter die 500m - Marke rutscht, wird der Puls automatisch schneller. 'Du musst was finden, sonst ist der Flug zu Ende.

'Gott sei Dank', denn es war ein paar Mal fast so weit, dass ich hätte landen müssen. Jetzt sitze ich hoch und trocken in 1.300m Höhe und überall finde ich Thermik. "Das ist normal" sagte mir später ein alter Fliegerhase, "wenn Du krampfhaft etwas suchst, siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

"Bremsklappen 'raus, Fahrwerk 'raus und mit 150km/h beginne ich, die Höhe abzubauen.

In 200m Höhe beginne ich den Endanflug. Fahrt stabil auf 90km/h halten, das Landekreuz anvisieren. Kurz über dem Boden fange ich das Flugzeug ab und setze es weich ins Gras.

Meine Gesamtflugzeit betrug 5 Stunden und 20 Minuten. Ich war sehr froh, meine Beine vertreten zu können.

Am Abend wurde dann der Flug mit einer zünftigen Runde Bier gebührend gefeiert.
 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 03. Januar 2011 um 11:20 Uhr