Die Start-Winde des BLV Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   

Der Bergisch Luftsportverein hegte bereits seit ca. 1980 den Wunsch zum Bau einer eigenen Startwinde. Zu dieser Zeit wurde aus dem Wunsch der Beginn einer Konstruktion, die als erster Schritt in die richtige Richtung, in Form einer Ingenieurarbeit erarbeitet wurde. Der zweite Anlauf zur endgültigen Realisierung legte die Konstruktion des Herrn Röttger, Oerlinghausen.

Dieses System diente dann Herrn Michael Gillet zur Ausarbeitung der Details und letztendlich der Erstellung einer Ingenieurarbeit, die 1987 abgeschlossen wurde.

Das Prinzip der Röttger-Winde besteht darin, daß das Schleppseil direkt auf die Seiltrommel aufgespult wird, anstatt durch Rollen umgelenkt zu werden. Dies bedingt eine grundlegend andere Konstruktion gegenüber den auf dem Markt befindlichen anderen Segelflugstartwinden. Der Vorteil dieses Prinzips liegt in der erheblichen Schonung der Seile und einer damit verbundenen wesentlich höheren Lebensdauer.

In 1988 wurde der endgültige Beschluß des Vereins zum Bau einer eigenen Winde gefaßt. Die wesentlichen Teile wie Windenmotor, Antriebsachse und LKW-Unterbau wurden schon im selben Jahr angeschafft. Den Antriebsmotor und die Antriebsachse erhielten wir von Daimler Benz gegen entsprechende Berechnung; den LKW-Unterbau kostenlos von der Bundeswehr.

Aufbau

Die Winde besteht aus folgenden Baueinheiten:

Führerhaus

Im Führerhaus sind alle notwendigen Überwachungs- und Bedienelemente angeordnet, die den sicheren Betrieb der Winde gewährleisten.

Die Sicht ist extrem günstig, da es sich um eine geschlossene Einheit handelt, die nur an den notwendigen Stellen durch Schutzgitter beeinträchtigt wird. Die geschlossene Kabine ist mit zwei Sitzplätzen ausgerüstet, sodaß der Windenfahrer mit seinem Lehrer darin Platz finden können.

Zum ordnungsgemäßen Betreiben der Winde ist für die Zeit des Schleppbetriebe eine feste Telefonverbindung mit der Startleiter vorhanden. Hierüber werden die in der Segelflug-Betriebs-Ordnung (SBO) vorgeschrieben Kommandos erteilt und bestätigt.
 

Seilmodul

Das Seilmodul besteht aus den beiden Seiltrommeln, der Antriebsachse mit der Gelenkwelle, dem Schutzkorb und den Zusatzeinrichtungen für Seilspulung, Seilkappung, Bremsen und Einrückvorrichtung. Die Trommeln sind so ausgelegt, daß eine max. Seillänge von 1500m möglich ist. Je nach Wind und Platzverhältnissen bedeutet dies eine erreichbare Ausklinkhöhe zwischen 400 und 500 m. Die Schleppseile sind mit den vorgeschriebenen Sollbruchstellen, Vorseilen, Bremsschirmen und Trenngliedern ausgestattet. 
  Seit dem Frühjahr 2008 testen wir auf einer der beiden Seiltrommeln ein ultraleichtes Kunststoffseil, das die gleiche bzw. eine noch höhere Bruchfestigkeit hat wie die herkömmlichen Stahlseile. Bis jetzt, nach 3 Saisons, gab es kaum Probleme oder Seilriße. Der Schlepphöhengewinn aufgrund der Leichte des Seil fällt allerdings geringer aus als erwartet. 
 

Motormodul

Die Antriebseinheit besteht aus einem Mercedes-Benz Diesel-Motor mit 8 Zylindern in V-Anordnung und besitzt eine Leistung von 206 kW (280 PS) bei 2300 Upm. Hiermit wird eine max. Seilgeschwindigkeit von 150 km/h erreicht und erlaubt ein max. Schleppgewicht von 750 kg. Dies ist die Maximal-Grenze für die Zulassung einer Winde. Das Diesel-Prinzip hat den enormen Vorteil, daß Im Verhältnis zu anderen Antriebsmotoren erheblich weniger Kraftstoff pro Schlepp verbraucht wird. Der Motor wird beim Schlepp nur mit einer umweltfreundlichen Drehzahl zwischen 800 und 1400 Upm betrieben. Zusätzlich ist der Motor mit einer schalldämmenden Verkleidung versehen, die den Geräuschpegel nach außen unter den eines modernen PKW bei entsprechender Leistung reduziert. Die Schleppzeit beträgt nur ca. 30 Sekunden vom Anschleppen bis zum Ausklinken des Segelflugzeugs.
 

LKW-Unterbau

Der Unterbau basiert auf einem MAN-LKW Typ 630 L und ist den Erfordernissen des Windenaufbaus angepaßt. Das Gesamtgewicht beträgt 10.520 kg.
 

Windenfahrerausbildung

Windenfahrer kann jeder im Verein werden, der die praktische C-Prüfung bestanden hat. Er muss an 10 verschiedenen Tagen mit unterschiedlichem Wetter unter der Aufsicht eines anderen Windenfahrers mindestens 10 Starts pro Tag machen. Jeder erfahrene Windenfahrer kann andere Windenfahrer ausbilden, nach Erteilung eines Ausbildungsauftrags durch den Cheffluglehrer.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 13. Januar 2011 um 21:21 Uhr